Montag, 29. Dezember 2025

Vorsätze fürs neue Jahr




Das Jahr neigt sich dem Ende zu und irgendwie muss man ja was dazu schreiben. Es sind nur noch wenige Tage übrig und überall sieht man sie wieder: Die SuB-Abbau Challenges, die 26 für 2026 Challenge, ABC-Challenge und vieles mehr.
Mein Feed ist voll mit Leseziele, Recaps und Vorsätzen.
Man sieht Pläne, was man im nächsten Jahr lesen will und dazwischen sind auch die anderen guten Vorsätze fürs neue Jahr: Mehr lesen, bewusster lesen, sich von Zahlen und Algorithmus nicht verrückt machen lassen oder die alten Klassiker: Gesünder essen, mehr Sport, mit dem Rauchen aufhören…
Alles, um perfekt und mit schwungvoller Motivation ins neue Jahr zu starten, während man eigentlich kein Startdatum braucht, um seine Ziele zu verfolgen oder Veränderungen zu bewirken.

Und ich bin auch nicht gefeit vor der Nostalgie, die einem am Jahresende überkommt.
Auch ich schaue zurück, blicke auf das Jahr zurück und frage mich: Wo ist die Zeit hin?
Waren wir hier nicht erst? Genau an diesem Punkt? Genau an dem Punkt mit Neujahrsziele setzen und was will ich besser machen?


Der Jahresanfang ist für mich ein Tag, wie jeder andere.
Abgesehen davon, dass es nach Silvesterböllerresten stinkt, die Straßen vermüllt sind, ich eine traumatisierte Katze in der Nacht beruhigen musste und es einfach nur laut zugeht und alle am nächsten Morgen ihren Rausch ausschlafen.
Ich bin kein Silvesterpartymensch. Dazu stehe ich und ich genieße eher den Abend in Ruhe mit einem Buch, anstatt zu trinken und mein Geld in Böller zu investieren (da kann ich das Geld auch direkt anzünden).

Ich sehe es auch so, dass man jederzeit anfangen kann seine Ziele zu verfolgen und seine Prioritäten neu zu ordnen.
Dennoch ist die Zeit zwischen den Jahren immer eine gute Gelegenheit das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen und zu reflektieren.
Es ist eine gute Zeit, um auch über seinen Stapel der Schande zu gucken.
Was liegt vielleicht schon viel zu lange dort und man nimmt sich vor es zu lesen, tut es aber am Ende doch nicht?
Sind die Bücher noch dem eigenen Lesegeschmack entsprechend?

Es ist eine gute Zeit seine Wishlists zu sortieren, die Regale zu entstauben und das ein oder andere Buch zu verkaufen.
Auch darf man gerne in die anderen Schränke gucken und aussortieren, sich von alten Ballast befreien und leichter ins neue Jahr gehen. Passt man noch in die Jeans? Oder sitzt der Pulli zu eng/zu locker (letzteres im Idealfall).

Mein Problem an guten Vorsätzen ist, dass die anfängliche Euphorie schneller verschwindet, als der neue Buchhype mit Hardcover-Farbschnitt-Special-Edition. Sie bleiben irgendwann auf der Strecke, weil der Alltag zurückkehrt und man nicht mehr die Zeit hat, wie zum Beispiel im Urlaub, die ersten Hürden kommen und der ersehnte Erfolg ausbleibt. Wenn Gewohnheiten bequemer sind als langfristige Veränderung.

Die Leseflaute kommt, der Druck steigt wieder, die Vergleicheritis kommt zurück und dann sieht das Buch beim anderen Blogger so gut aus und so vielversprechend, der neue Hype kommt und die Welle reißt einen mit. Über Bord ist der Vorsatz von bewussterem Buchkonsum.

Ich kenne mich inzwischen ziemlich gut und ich weiß, dass schon ab Anfang Januar meine Leseziele hinüber sind, ich wieder in meinen Mood-Read verfalle, weshalb ich an keine Challenges mehr mitmache. Ich setze mir nur noch allgemeine Leseziele und versuche mich damit nicht zu stressen, damit sich Lesen nicht wie eine Pflichtlektüre in der Schule anfühlt.

Genauso ist es mit den Vorsätzen mehr ins Fitnessstudio zu gehen.
Am Anfang denkt man, man kann das gut unterkriegen und sich selbst austricksen, in dem man es irgendwie plant. Aber rückblickend muss ich sagen, dass die Tricks auf lange Sicht nicht geholfen haben. Dann waren Erledigungen wichtiger als der Weg nach der Arbeit zum Studio, alleine macht es keinen Spaß etc. pp.

Was für mich gut funktioniert, ist nicht nur Termine im Kalender dafür zu setzen, sondern auch zu Hause Sport zu machen, z.B. durch ein Laufpad bei dem ich während der Arbeit am PC laufen kann.
Andere trainieren lieber alleine mit Musik und finden darin ihren Fokus. Ich bin davon schnell gelangweilt und finde es zu Monoton, weshalb jemand als Partner gut klappt oder wenn ich dabei was tun kann, wie eben am PC schreiben/arbeiten und laufen.

Wenn ich eines für mich in den letzten Jahren gelernt habe, dann dass es auch okay ist seine Ziele zu ändern, das Erfolg nicht linear ist und es auch Rückschläge geben darf.
Man darf für sich herausfinden, dass der Weg nicht zu einem passt und einen anderen finden.
Man darf merken, dass der Sport noch nicht das richtige ist und statt direkt ein Jahresabo abzuschließen, kann man Probekurse besuchen, ausprobieren und gucken, was einem gefällt.
Man darf kleine Schritte gehen für langfristige Veränderung.
Man darf seinen Lesegeschmack ändern und seine Leseziele runter schrauben, Challenges abbrechen und man darf auch mal ein Buch mehr kaufen, als man sich vorgenommen hat, solange man sich dessen bewusst ist.

Gerade in der Buchbubble ist es leicht, sich zu verlieren. In Releases, Meinungen, Must-Reads, Hypes und Algorithmen.


Wer hat nicht schon mal gesagt „Dieses Jahr wird alles anders“?
Ich kenne niemanden, der das nicht schon mal gesagt hat.
Ich kann mich ebenfalls nicht frei sprechen, dass ich nächstes Jahr einige Dinge anders machen möchte.
Ich habe 1 Jahr lang meinen Buchkonsum getrackt, ein Jahr die Ausgaben aufgelistet und die Zahl ist erschreckend.
Daher ist mein Vorsatz bewusster mit Konsum umgehen, bewusster kaufen und noch strenger sein, ob ich das Buch wirklich brauche.

Dieses Jahr war ich schon bewusster und strenger zu mir, aber ich glaube, da geht noch mehr. Vor allem, wenn ich meinen SuB bedenke, wo so viel gelesen werden will, dann ist es auch okay einige Neuerscheinungen nicht mitzunehmen, sondern sich zwei, drei oder fünfmal zu überlegen, gefällt es mir oder ist die Handlung in einem Jahr wieder vergessen und überlagert von anderen Geschichten?

Ich möchte auch anderen keinen Druck machen mit dem, was ich in der Woche gelesen habe an Seiten, weshalb ich den Recap mit „What this Week“ einstelle. Es gibt zu viel Vergleichsdruck und da möchte ich bewusster mit umgehen und mich etwas rausnehmen, so dass es nur noch den Monatsrückblick geben wird.

Und nur weil ein Buch überall gehypt wird, muss es nicht zu mir passen. Nur weil andere mit bestimmten Formaten Erfolg haben, heißt das nicht, dass ich sie übernehmen muss. Lesen darf leicht sein. Bloggen darf Freude machen. Austausch darf Tiefe haben.


Warum setze ich mir Ziele?
Will ich dieses Ziel wirklich für mich erreichen oder versuche ich nur, Erwartungen zu erfüllen und mit anderen mithalten?
Und ich erlaube mir Pausen, ohne sie rechtfertigen zu müssen.

Natürlich spielt auch das reale Leben mit hinein. Energie ist nicht unendlich verfügbar und wir sind keine Maschinen oder Roboter.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr ist simpel: an das anzuknüpfen, was sich in den letzten Monaten gut angefühlt hat. Weniger Druck. Mehr Freude. Mehr Fokus auf das, was mir wirklich etwas gibt.

Ich investiere weiterhin Zeit, Energie und ja, auch Geld. Aber nicht in Trends oder Vergleiche. Sondern in mich, meine Leidenschaft für Bücher und den Austausch darüber.

Also stresst euch nicht, genießt die freien Tage, lest in eurem Tempo und macht aus guten Vorsätzen keinen Marathon.


1 Kommentar:

  1. Hallo :)

    Bei den buchigen Vorsätzen bin ich komplett bei dir - meinem SuB wollte ich schon lange mal etwas an den "Speck" 😂 Zudem möchte ich Bücher wieder bewusster aussuchen & lesen, mehr aussortieren und auch mal die eine oder andere Geschichte abbrechen, wenn sie meinen Geschmack nicht trifft!

    Liebe Grüße
    Lisa @prettytigerbuch | Blog | Instagram

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