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For Whom the Belle tolls | Jaysea Lynn | 25,00 € | ISBN 978-3764533694 | 848 Seiten
Die Hölle ist ein Ort voller unglücklicher Seelen, die nur eines im Sinn haben: sich über ihr Dasein lautstark zu beschweren. Zum Glück ist die kürzlich verstorbene Lily zur Stelle. Obwohl sie wenig begeistert von ihrem Tod ist, fasziniert sie die Hölle – der Kaffee ist gut und die Dämonen sind nett, wären nur nicht die vielen unzufriedenen Seelen. Durch jahrelange Erfahrung im Kundendienst gestählt, bietet Lily ihre Hilfe an und errichtet den Hellp-Desk. Und mit der ihr eigenen Geduld knackt sie sogar den introvertierten Dämon Bel, der leider zu heiß ist, um nur ihr Kumpel zu sein …
„For whom the belle tolls” ist eine Fantasygeschichte mit Slice of Life Aspekten, Romantik und Humor, die ich jedoch nach knapp 300 Seiten abgebrochen habe.
Der Einstieg erfolgt sehr schnell. Man lernt Lily rasch kennen, wobei sie zu Beginn noch recht blass als Protagonistin wirkt. Der Fokus liegt zunächst stärker auf ihrem bisherigen Leben als auf ihr selbst. Erst nach ihrem Tod wird sie als Figur greifbarer und ihre Art von Humor sowie ihre Eigenheiten treten deutlicher hervor.
Das Jenseits ist sehr detailliert ausgearbeitet und folgt keinem festen Konzept. Stattdessen greift die Autorin verschiedene Glaubensvorstellungen auf, was grundsätzlich spannend ist. Auch unterschiedliche Arten von Verlust und Tod werden thematisiert und nachvollziehbar erklärt. Allerdings verliert sich die Geschichte dabei zunehmend in ausführlichen Beschreibungen, was Tempo und Spannung deutlich hemmt. Die humorvollen, teils nerdigen Kommentare sind ein nettes Extra, können die fehlende Dynamik jedoch nicht ausgleichen.
Emotional konnte mich das Buch leider nicht abholen. Weder zu Lily noch zu Bel konnte ich eine echte Verbindung aufbauen, und das angekündigte Knistern zwischen ihnen blieb für mich aus. Der Slow Burn entwickelte sich hier eher im Schneckentempo. Grundsätzlich ist eine langsame, vorsichtige Annäherung nichts Negatives, doch beim Lesen stellte sich zunehmend das Gefühl ein: Komm endlich aus dem Pott.
Bel als Teufel ist zwar eine durchweg sympathische Green Flag, und auch die anderen Dämonen scheinen Lily sofort ins Herz zu schließen, doch gerade diese Konfliktarmut nahm der Geschichte zusätzlich Spannung.
Nach etwa 200 Seiten stellte sich für mich die zentrale Frage: Wohin möchte diese Geschichte eigentlich führen?
Wo ist der rote Faden?
Was ist das Ziel?
Soll der Fokus auf Trauerbewältigung liegen?
Auf Lilys Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod?
Für mich blieb das unklar. Stattdessen wirkte vieles wie die Beschreibung eines Arbeitsalltags. Der Schauplatz Jenseits mit Dämonen hätte ebenso gut durch unsere reale Welt ersetzt werden können, da sich die Abläufe und Dynamiken kaum davon unterschieden.
Auch nach über 250 Seiten entwickelte sich kein Spannungsbogen.
Jede weitere Seite fühlte sich zäh an. Ich hoffte bis zuletzt, dass sich ein klarer Fokus herauskristallisiert und der Funke doch noch überspringt, doch das blieb aus.
Zu viele Nebenfiguren und ausschweifende Passagen, die ins Leere laufen, erweckten zunehmend den Eindruck reiner Seitenfüllung.
Ich glaube, die Geschichte hätte deutlich gewonnen, wenn der Fokus stärker auf Emotionen statt auf ausufernden Beschreibungen gelegen hätte. In diesem Fall wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.
Als Sharkie, ein kleines Mädchen, eingeführt wurde, keimte noch einmal Hoffnung auf. Sie ist ein liebevoll gezeichneter Charakter mit kindlicher Neugier und tiefem Trauma. Doch als die Handlung schließlich in Richtung Mutterschaft, Kinderkriegen und einer quasi halb-adoptierten Beziehung zwischen Lily und Sharkie abdriftete, verlor mich das Buch endgültig.
An diesem Punkt fühlte es sich an, als würde Alltag lediglich in ein Fantasysetting verpackt, ohne dass dies erzählerisch notwendig oder gewinnbringend wäre oder dass die Geschichte ein Ziel verfolgt.
Die Autorin verfügt zweifellos über einen guten Schreibstil, und die Themen Tod, Verlust, Trauer und das Danach bieten enormes Potenzial. In dieser Umsetzung jedoch hätte eine stärkere Fokussierung der Handlung der Geschichte sehr gutgetan.
Aus diesen Gründen habe ich das Buch schließlich abgebrochen.

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